Schematherapie

Was ist Schematherapie?

Entwicklung der Schematherapie

  • Patienten mit Persönlichkeitsstörungen und  Patienten mit chronischen Problemen sprechen häufig nicht zufriedenstellend auf Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) an.
  • Die traditionelle kognitive Verhaltenstherapie (KVT) setzt voraus, dass bei Patienten eine ausreichende Motivation vorhanden ist, dass Patienten in der Lage sind, Gedanken und Gefühle (akkurat) wahrzunehmen und im Sinne von Zielen zu verändern und dass Patienten in der Lage sind, eine sichere Bindung zum Therapeuten einzugehen. Diese Voraussetzungen sind häufig bei schwerer erkrankten Patienten mit chronischen psychischen Störungen nicht oder nur teilweise gegeben.

 

Ausgehend von diesen Problemen entwickelte J. Young eine Therapie, die gezielt Elemente beinhaltet, um diesen spezifischen Schwierigkeiten gerecht zu werden: die Schematherapie.

 

Besonderheiten der Schematherapie

  • Ein Schema ist, nach allgemeiner Definition, ein organisierendes Prinzip, das hilft Ereignisse zu verstehen und einzuordnen und Handlungsorientierung zu erhalten.
  • Es entsteht in der frühen Kindheit oder Adoleszenz und spiegelt die Atmosphäre der Umgebung wieder, in dem es entstanden ist.
  • Es beinhaltet das, was das Individuum “weiß” und fühlt sich deshalb “richtig” an, Informationen werden deshalb schemakonform wahrgenommen und ausgewertet.
  • Es kann hinsichtlich des Allgemeinheitsgrades variieren.

 

 

Schemata entstehen durch:

 

  • Nicht-Erfüllung zentraler emotionaler Bedürfnisse in der Kindheit, wie z.B. das Bedürfnis nach sicherer Bindung, Autonomie oder nach Spontaneität und Spiel.
  • Frühe Erlebnisse wie Traumatisierung, “Überbehütung“ oder selektive Internalisierung / Identifikation mit wichtigen Bezugspersonen.
  • Schematherapie hilft Patienten dabei zu lernen, ihre zentralen emotionalen Bedürfnisse auf adaptive Weise zu befriedigen.

 

 

Fokus der Schematherapie

Die Schematherapie geht davon aus, dass Patienten sich in bestimmten Zuständen – den sogenannten Schemamodi (kurz: Modi) – befinden, die durch bestimmte, individuelle Auslöser getriggert werden. In einem solchen Zustand oder Modus denkt, fühlt und handelt ein Patient auf eine bestimmte Art und Weise. Ein solcher Zustand kann, von außen betrachtet, z.B. einem traurigen Kind oder einer glatten Fassade ähneln. Diese Modi zu identifizieren und deren Auslöser zu bestimmen sind Bestandteil der Anfangsphase der Therapie. Später werden kognitive, verhaltens- oder erlebensbasierte Übungen durchgeführt, um Schemata und Modi zu verändern. Das allgemeine Ziel der Schematherapie ist es, den gesunden Anteil des Patienten so zu stärken, dass er ein zufriedenstellendes Leben führen kann, in dem seine Bedürfnisse adäquat befriedigt werden.

 

Veränderungsstrategien in der Schematherapie

In der Schematherapie ist die therapeutische Beziehung durch „limited reparenting“ gekennzeichnet, was begrenzte elterliche Fürsorge bedeutet. Patienten soll dadurch die Möglichkeit gegeben werden, neue Erfahrungen zu machen, die früheren negativen Erfahrungen widersprechen.

Zu den kognitiven Strategien der Schematherapie gehören beispielsweise Pro & Contra-Listen, Erinnerungskarten, Tagebücher oder Protokolle.

Zu den erlebnisbasierte Strategien gehören u.a. Imaginationsübungen. Imaginationsübungen sind Vorstellungsübungen, meist von vergangenen Ereignissen. Diese vergangenen Ereignisse werden in der Vorstellung erneut aufgesucht und der Ablauf dieser Ereignisse wird in der Vorstellung entsprechend den Bedürfnissen des Patienten verändert. Ziel ist eine Veränderung der emotionalen Bedeutung des Ereignisses für den Patienten.

Verhaltensorientierte Strategien beinhalten Übungen von funktionellem – d.h. bedürfnisadäquatem – in  Rollenspielen und Verhaltensexperimenten im Alltag.

Die einzelnen Veränderungstechniken werden gezielt eingesetzt je nach dem, in welchem Modus sich ein Patient während der Therapie befindet.

 

Spezielle Anwendungsbereiche der Schematherapie.

Vor allem im Bereich der Persönlichkeitsstörungen wurden in den letzten Jahren Schwerpunkte gesetzt und spezifische Modusmodelle entwickelt, sowie schematherapeutische Behandlungsstrategien im Umgang mit störungsspezifischen Symptomen und Verhaltensweisen. Ein solcher Schwerpunkt liegt auf der Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPD), der beispielsweise die z.T. sehr schnellen und häufigen Zustandswechsel von BPD-Patienten berücksichtigt. Farrell und Shaw (2012) entwickelten eine spezielle Gruppentherapie für Patienten mit BPD, die auch in Deutschland erfolgreich angewendet wird. Eine weitere Schwerpunktsetzung gibt es für Patienten mit Narzisstischer Persönlichkeitsstörung, für Patienten mit Vermeidender, Abhängiger oder Zwanghafter Persönlichkeitsstörung und für Patienten aus dem forensischen Setting mit Antisozialer, Narzisstischer oder Borderline-Persönlichkeitsstörung. Farrell, Reiss und Shaw (2014) entwickelten zudem ein Schematherapieprogramm mit Einzel- und Gruppenpsychotherapieelementen, das sich besonders für den Einsatz im stationären oder teilstationären Setting eignet.

 

CBASP (Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy)

Was ist CBASP?

Das „Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy“ (CBASP) ist ein relativ neues Behandlungsverfahren, das von Prof. James P. McCullough Jr. entwickelt wurde. Es ist bis heute weltweit der einzige Psychotherapieansatz, der speziell für chronisch depressive Patientinnen und Patienten konzipiert wurde.

Die CBASP-Therapie soll chronisch depressiven Patienten helfen, bestimmte Ziele zu erreichen. Zu diesen Zielen gehören:
1.) Die Konsequenzen des eigenen Verhaltens erkennen
2.) Authentische Empathie für Andere entwickeln
3.) Strategien lernen, um eigene Probleme anzugehen
4.) Einen heilsamen Umgang mit früheren Traumata finden

 

Spezielle Anwendungsbereiche von CBASP.

CBASP wir vor allem im Bereich der Behandlung chronischer Depressionen im stationären, teilstationären oder ambulanten Setting mit Erfolg angewandt.